Life

Bitte nicht ansprechen! – Über den Umgang mit Morgenmuffel

Ich liebe meine Mutter. Manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Letzteres ist meistens morgens der Fall. Denn sie gehört zu jenen Menschen, die schon vor dem ersten Läuten des Weckers aufstehen. Einige springen gar regelrecht aus dem Bett. In Nullkommanix sind die geduscht und angezogen und noch vor dem ersten Kaffee haben sie die Relativitätstheorie aufgestellt. Sie sprudeln nur so vor Elan. Diese Menschen mag ich nicht. Zumindest temporär.

Morgenmuffel

Bild: Chicobricks (A.I.R.) – „Sleeping Darjeeling 2nd faceup done“ – Flickr

Vor Kurzem verbrachten meine Mutter und ich ein Wochenende in den schönen Walliser Bergen. Mit Glück konnte ich noch ein Hotelzimmer buchen, das ich mit ihr teilte. An diesem Wochenende war so viel los in der Gegend, dass alles total ausgebucht war. Sonst hätte ich für uns zwei Zimmer genommen.

So kam es, wie es kommen musste. Meine Mutter, eine notorische Frühaufsteherin, wachte also morgens früh auf. Sehr früh. Sie begab sich zum Fenster, zog die Vorhänge auseinander und lobte das schöne Wetter, die Aussicht, die Sonne. Und schon war’s gelaufen. Ich hatte schlechte Laune.

Ich gehöre zu jener Sorte Mensch, die morgens (morgens ist für mich immer dann, wenn ich aufstehe, egal welche Uhrzeit) nur schwer in die Gänge kommt. Das aus-dem-Bett-steigen alleine dauert bei mir locker ne halbe Stunde. Aufnahmefähig und ansprechbar bin ich frühestens nach zwei Stunden. Wenn ich nach dem Aufwachen gleich angequatscht werde, ist der Tag für mich gelaufen. Dann hab ich dauerhaft schlechte Laune. Und das den ganzen Tag. Denn mir fehlt die Zeit, die mein Gehirn und Körper brauchen, um auf Betrieb umzustellen. Wer schon das Vergnügen hatte, mit mir zu übernachten, hat mitunter auch schon erlebt, dass es gar lebensgefährlich sein kann, mich morgens schon bespassen zu wollen.

Wie Franziska. Wir waren zusammen vor Jahren im Berner Oberland skifahren. Sie, der absolute Morgenmensch und ich, der Inbegriff eines Morgenmuffels. Zusammen in einem Zimmer. Eine unglückliche Kombo. Als der Wecker dann unfreundlich schrillt, springt Franziska aus dem Bett, tänzelt fröhlich ans Fenster, reisst die Vorhänge auseinander und schreit mir direkt ins Ohr (zumindest kam mir das so vor):

„Aufstehen Frida! Die Sonne scheint! Das wird ein ganz sup…. AUA!“

Dass sie den Schuhwurf nur mit einer leichten Beule am Hinterkopf überlebt hat lag daran, dass ich geblendet war.

Auch meine liebe Mutter sollte doch mittlerweile wissen, dass ich morgens nicht ansprechbar bin. Für niemanden. Auch für sie nicht. Schliesslich hat sie mich während meiner Schulzeit aus dem Bett zerren müssen. Tag für Tag. Am Wochenende hat sie mittags gar meine Vitalfunktionen geprüft. Sie sollte also wissen, wie man mit meiner Morgenmuffelei umgeht. Tut sie aber nicht. Und so kam es an jenem Morgen, dass sie mich dann fragt, warum ich denn so unfreundlich sei und ich solle mich doch nicht so anstellen, die Sonne scheint, ich soll doch das schöne Wetter geniessen, wann denn gefrühstückt wird und ich soll doch jetzt mal langsam unter die Dusche. Das tat ich auch. Wo ich dann sicher eine halbe Stunde blieb.

Ich weiss nicht, warum Morgenmuffel so sind. Ist einfach so. Deshalb, liebe Leute, hier einige Tipps im Umgang mit Morgenmuffeln:

Umerziehung zwecklos!
Versucht bitte nicht, uns gut gemeinte Tipps zu geben, wie wir zu Morgenmenschen werden. Das werden wir nie sein, denn wir sind so geboren. Und wollen auch nicht Morgenmenschen sein. Ist gegen unsere Grundeinstellung.

Bespassen zwecklos!
Eins auf gute Laune machen in der Früh, in der Hoffnung, die gute Laune steckt uns an, ist des Teufels! Wir mögen das nicht! Weil wir nicht nachvollziehen können, warum Menschen morgens schon gut gelaunt sind. Und zu diesem Zeitpunkt gar nicht aufnahmefähig sind. Und wir wollen das auch nicht.

Fragen stellen zwecklos!
Morgens zu fragen, warum wir denn nicht gut drauf sind, ist etwa so sinnvoll den Papst zu fragen, warum er kein Buddhist ist. Also total sinnlos. Wir sind einfach so. Punkt. Wenn ihr schon Fragen stellen müsst, dann solche, die sich mit einem „hmm“ beantworten lassen. Weil unser Gehirn sich noch immer im Tiefschlaf befindet. Und ja: Fragen beantworten wollen wir dann nicht.

Schweigen erwünscht
Das einzig Richtige, was ihr tun könnt ist: Nix! Lasst uns morgens einfach sein. Ein freundlicher Gruss geht. Aber versucht nicht, dann schon den Sinn des Lebens mit uns Morgenmuffel ergründen zu wollen. Gebt uns Zeit, in die Gänge zu kommen. Kaffee in Ruhe zu trinken (im wahrsten Sinn des Wortes) und langsam das Bewusstsein erlangen. Wir werden’s euch mit guter Laune verdanken. So zwei Stunden später.

Ein Kommentar zu “Bitte nicht ansprechen! – Über den Umgang mit Morgenmuffel

  1. Pingback: Ich hätte lieber das Schnitzel gehabt | Frida's Magazin

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