Life

Same time, same place

Als ich so hier sitze und darüber nachdenke, wohin ich als nächstes reisen will, kommt mir Kroatien in den Sinn. Zum einen, weil ich unter massivem Game of Thrones Entzug leide (momentan wird u.a. dort die nächste Staffel gedreht), zum anderen, weil ich dort eine so schöne Begegnung hatte. Mit drei älteren Herren in Dubrovnik.

Dubrovnik-07

Die zauberhafte Stadt Dubrovnik mit der charakterischen Festung. (Credit: Ivan Ivankovic, Dubrovnik, Flickr)

Entgegen dem Rat eines guten Freundes „Geh nicht hin! Im August wimmelt’s dort nur so von Touristen! Nur Touristen!“, reiste ich im Sommer 2007 mit meiner lieben Freundin Tonia nach Kroatien, genauer: Dalmatien. Die kleine Rundreise begann in Split. Eine traumhaft schöne, alt griechische-römische Stadt. Ich war augenblicklich verzaubert. Von der Geschichte, vom Charme, von der Gastfreundlichkeit, die die Stadt ausstrahlt. In den Ruinen der römischen Arena gab’s jeden Abend gratis Konzerte. Getaucht in warmem Licht sassen Touristen und Einheimische an den lauen Sommerabenden auf den Stufen, tranken Wein und Prosecco, lauschten der Musik und genossen den Augenblick. Diese verträumte Atmosphäre verursachte angenehme Gänsehaut.

Nach drei Tagen ging’s mit der Fähre auf die Insel Hvar (auch sehr toll), nach weiteren drei Tagen dann aufs Festland, in den Reisebus und dann der Küste entlang runter nach Dubrovnik. Die Landschaft ist atemberaubend schön, das Wasser der Adria ist kristallklar und von einem Blau, wie ich es selten gesehen hab. Auch Dubrovnik, die „Perle der Adria“, hat mich in den Bann gezogen. Der Rundgang auf den Mauern der Festungsanlage liefert einen faszinierenden Blick auf die altrömische, mittelalterliche und barocke Altstadt. In den verwinkelten Gassen laden Cafés zum Verweilen ein, Restaurants bieten lokale Köstlichkeiten an, kleine Shops warten mit allerlei, liebevoll gestalteten Handarbeiten auf. Es ist eine geschäftige Stadt. Aber nicht hektisch. Die Luft riecht nach Meer, Sonne und Sommer (wenn das überhaupt möglich ist).

Den letzten Tag unseres Aufhalts liessen wir auf dem Marin Držić-Platz vor der Kathedrale ausklingen. Wir sassen dort draussen in einem Café, schön im Schatten (ich hatte tags zuvor einen Hitzeschlag erlitten), und erfreuten uns zum letzten Mal an der Aussicht auf die Stadt, den Hafen und das Meer. Ein kolossartiges Kreuzfahrtschiff zog gerade vorbei. Passte so gar nicht in die Idylle. Ein angenehmes, laues Windchen wehte. Wir liessen die letzten Tage rege Revue passieren. Und wie das so ist mit Schweizern im Ausland, erregte unsere komische Sprache die Aufmerksamkeit der drei älteren Herren, die am Nebentisch ihr kühles Nachmittagsbier genossen. In ihren glatt gebügelten Hemden und glatt rasierten Gesichtern, die freundlich wirkten und Weisheit ausstrahlten, sassen sie adrett da, entspannt. Der eine trug so ein Käppi, wie ihn ältere Herren manchmal tragen (und heute auch Hipsters).

„Entschuldigung, kommen Sie aus Kuba?“ Die Frage war an mich gerichtet und überraschte mich. Wie zum Kuckuck kommt er auf Kuba? Schweizerdeutsch klingt alles andere als nach Spanisch.

„Nein, wir kommen aus der Schweiz“, erwiderte ich.

„Oh, Sie sehen so kubanisch aus. Schade…“ Meine Neugier war geweckt.

„Warum ist das schade?“

„Nun, ich wollte schon immer nach Kuba reisen. Aber meine Frau lässt mich nicht. Zu viele schöne Frauen, so wie Sie. Eine zu grosse Versuchung für mich“ und wandte sich dabei mit einem spitzbübischen Lächeln an seine Begleiter. Die pflichteten ihm mit herzhaftem Lachen bei.

„Dann reisen Sie doch mit Ihrer Frau nach Kuba. Dann hat sie auch was davon…“, schlug ich vor.

„Soweit kommt es noch! Die verdirbt mir doch jeden Spass!“ Und wieder dieses herzhafte, ansteckende Lachen.

Wir unterhielten uns noch ein Weilchen. Wir erzählten von unserer kleinen Rundreise, wie gut es uns gefallen hat, wie sehr wir die Gastfreundschaft und das leckere Essen genossen haben. Dabei strahlten die drei Herren übers ganze Gesicht vor Stolz. Sie wiederum erzählten aus ihren Leben, vom Krieg, von der Nachkriegszeit. Wie schwer es jetzt ist. Die Touristen kommen nicht mehr so in Scharen wie vor dem Krieg. Die Jungen gehen ins Ausland, so wie ihre Kinder, weil sie dort Arbeit finden. Das ist hart. Aber das wird schon. Es war ein sehr schönes, intimes und zeitweise emotionales Gespräch.

Zu schnell verging die Zeit. Wir mussten aufbrechen, zum Flughafen fahren. Dabei wären wir doch so gerne noch länger geblieben und das Gespräch mit den drei charmanten Herren fortgeführt. So fragten wir nach der Rechnung.

„Nein, nein, meine Damen. Heute seid Ihr unsere Gäste. Ihr kommt doch wieder, oder?“

„Ja, eines Tages, ganz bestimmt.“

„Gut. Dann treffen wir uns wieder am selben Ort zur selben Zeit.“

Vielleicht ist es bald so weit.

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PS: Zu gerne hätte ich meine Bilder mit euch geteilt. Doch leider sind diese einem Computervirus zum Opfer gefallen.

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